So richtig offener Ideentransfer?

Seit ein paar Tagen läuft schon die 25. NPO-Blogparade. Hosts sind dieses Mal opentransfer.de und ich und seit dem Startschuss am Montag sind schon einige Beiträge eingegangen. Ich habe mir mal ein paar Gedanken gemacht, warum „so richtig offener“ Transfer von Ideen und Projekten so seine Schwierigkeiten hat. Vorweg: Ganz viele Vermutungen und Idealismus sind dabei;)

Sind es schlicht die Gesetze des Marktes, die Jagd nach Anerkennung, der Finanzierungsdruck?

Das ist die Frage, die ich mir mal rausgepickt habe. Sie Sache mit der Anerkennung lasse ich etwas außen vor.

Angebot und Nachfrage kennt man auch im Dritten Sektor. Anstelle zu fragen „Gibt es eine Nachfrage für dein Angebot?“ lautet die Frage „Gibt es ein Problem für deine Lösung?“. Umgekehrt geht es natürlich auch. Statt „Welche Nachfrage deckst du?“ gilt „Welches Problem löst du?“ Also kann man von einem Markt sprechen und nach dem klassischen Verständnis eines Marktes „teilt man nicht“. Es soll gehandelt werden. Dass der klassische Markt in der Realität so gut wie nie so funktioniert, wie es das Modell möchte, sei dahingestellt. Auch mit dem umgangssprachlichen Verständnis von Markt, Wettbewerb und Konkurrenz können wir uns begnügen.

Märkte gibt es speziell, wenn es um Ressourcen geht: Zum Beispiel Ehrenamtliche und finanzielle Mittel. Auf diesen beiden Märkten ist die Konkurrenz groß oder das Angebot knapp oder beides. Förderpolitik ist hinsichtlich der Finanzen da ein Thema, klar, keine Frage. Aber immer auch der eigene Anspruch, wie ich finde. Wo eine profitorientierte Organisation Wachstum und Profitsteigerung sucht, sind im NPO-Bereich Skalierung und Wirkung DIE Themen. Manchmal kommt es mir vor, als hätte ich ohne VWL-Studium gar keine Ahnung von dem, was ich engagementtechnisch mache…

Ich bin kein Skalierungsexperte, aber so wie (Unternehmens-)Wachstum wird auch Skalierung Investitionen benötigen. Erst recht dann, wenn die Skalierung einer Idee über die Gründung mehrerer Standorte vollzogen und zentral koordiniert werden soll. Finanzielle Mittel sind also gefragt. Zum Beispiel von Sponsoren. Im Sponsoring hat auch der Sponsor eigene Interessen. Sichtbarkeit ist sicher nicht unwichtig. Wer ist sichtbar? Große oder wachsende Initiativen wohl eher als kleine. Das Logo deutschlandweit sehen, das macht interessant. Wenn aber in erster Linie Wachstum interessant ist (kann man diskutieren!), kann ich mir vorstellen, dass schon dadurch Druck entsteht.

Und diejenigen, die aus irgendwelchen Gründen selbst nicht (überregional) wachsen wollen? Nicht jedes Projekt will das von sich aus. Genug zu tun, eine intakte „Work-Life-Balance“ der Macher, fast wunschlos glücklich und am eigenen Ort gut etabliert. Damit will ich nicht sagen „Verbreiten wir nicht gute Ideen, passt auf die Kleinen auf.“Die Idee selbst kann trotzdem weitere Kreise ziehen. Konzept veröffentlichen, CC-Lizenz drauf und wenn irgendwo jemand auf die Idee kommt, man könne so etwas gebrauchen: Suchmaschine an, Konzept finden, vielleicht noch Kontakt aufnehmen, Tipps holen, an örtlichen Bedarf anpassen und wuppen. Oder über die bei dieser Blogparade schon mehrmals genannte on- und offline Vernetzung untereinander austauschen. Nach der Matrix der Bertelsmann Stiftung wäre das wohl Typ 4 der Skalierungsstrategien, wenn mein kurzer Blick in die Zusammenfassung ausgereicht hat.

Oder: Mit dem Clou an der Sache (aka. Innovation) bestehende Strukturen verbessern. Weil es Ähnliches eben schon vielerorts gibt und die eigene Idee 80% Bewährtes und 20% Neues enthält. Das wäre doch mal ein Ideentransfer. Offen, schlank, ohne das Beiwerk einer anhängenden Organisation. Wenn sie vor Ort weiterhilft wird sie in der Regel angenommen, behaupte ich. Wenn nicht, stimmt was nicht beim Empfänger.

In einer Engagement-Wüste macht es für mich auf jeden Fall Sinn, Bewährtes des einen als Neues des anderen Ortes zu übertragen. Wo es schon 15 Mentoring-Initiativen gibt, könnte es aber durchaus sinnvoll sein, nicht die 16. zu gründen, nur weil der eigene Anmeldebogen besser ist als alle anderen. (Das ist ein fiktives Beispiel!)

Vielerorts hat man mit einer Filialisierung von Innenstädten zu kämpfen. Überall die gleichen Läden, die gleichen Imbisse. Aber nicht überall gelten die gleichen Regeln, gibt es den gleichen Geschmack oder Bedarf. Ich persönlich möchte keine Filialisierung zivilgesellschaftlichen Engagements. Ich möchte in sich gewachsene Strukturen, kein standardisiertes McEhrenamt, keine Industrie. Ich bin einfach Fan von freien Konzepten, fairem Umgang damit und Austausch ohne Selbstdarstellung. Darin kann es im Extremfall nämlich münden, was mir zum Glück bisher nicht begegnet ist, oder mir nicht in Erinnerung blieb. Denn die meisten, die ich bisher getroffen habe begeistern von sich aus. Weil sie dafür brennen was sie machen. Und ich behaupte Feuer ist nachhaltiger als alles was auf Papier stehen kann.

Nicht vergessen: Es sind Vermutungen, gewürzt mit Idealismus. Ich Fan der Idee des Teilens und „Einfach-weitergebens“. Auch deswegen mag ich die Idee von Mentoring und Patenschaften. Ich habe auch Freunde, deren Initiativen wachsen und die damit ihre guten Ideen skalieren. Die mag ich trotzdem und ihre Initiativen auch;)

Ich freue mich auf noch viele weitere Beiträge zur Blogparade!

 

  5 comments for “So richtig offener Ideentransfer?

  1. 17. Mai 2013 at 17:59

    Hallo Sebastian,

    danke für diesen Beitrag, er beschreibt wirklich gut was wir mit Weltbeweger (www.weltbeweger.de) seit 2009 versuchen.

    “ Konzept veröffentlichen, CC-Lizenz drauf und wenn irgendwo jemand auf die Idee kommt, man könne so etwas gebrauchen: Suchmaschine an, Konzept finden, vielleicht noch Kontakt aufnehmen, Tipps holen, an örtlichen Bedarf anpassen und wuppen.“

    Denn viele kleinere Initiativen und Vereine haben gar nicht das Interesse (aus vielen, wie auch oben genannten Gründen) den Transfer selbst zu steuern. Aber sie sind bereit die Idee weiter zu geben, weil sie wirksam ist und funktioniert. Deswegen haben wir damals die Community gestartet und sind gespannt, wie es in diesem Bereich weiter geht.

    Katarina

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *